Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

auf meinen Grundschulzeugnissen steht es oben bei den Kopfnoten noch, das Wort Bekenntnis. Da trug die Lehrkraft brav ein, ob es sich um ein katholisches oder evangelisches Kind handelte, etwas anderes hatten wir nicht. Da das Verhältnis evangelisch–katholisch bei 3:26 lag, war es dann sogar irgendwie ein persönliches Bekenntnis, zum Religionsunterricht in eine Sonderklasse rausgehen zu müssen.

Was nicht heißt, dass mir das als Kind leichtgefallen wäre. Wahrscheinlich hat jeder von uns schon mal Situationen erlebt, in denen er zu seinem Glauben stehen musste. Da bleiben oft nur Sekundenbruchteile für die Entscheidung zwischen höflichem Schweigen und möglichst überzeugenden Worten. Abgesehen davon gibt es passende und unpassende Orte und Zeiten für christlichen Bekennermut. Möchten Sie von der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters in der Restauranttoilette missioniert werden? Wohl nicht. Man darf schon einen Gedanken daran verschwenden, was man sagt, wann man etwas sagt und wie man es sagt, damit man wenigstens Respekt, wenn nicht sogar Zustimmung erntet.

Zustimmung ist Christen allerdings nicht unbedingt verheißen. Das Gegenteil ist der Fall. Menschen wie der, zu dem der Arm auf unserer Titelseite gehört, wissen das. Er hat sich, wie sehr viele koptische Christen es tun, ein Kreuz auf sein Handgelenk, über die Hauptschlagader, tätowieren lassen. Ein Schmuckkreuz um den Hals kann man zur Not schnell abnehmen, ein solches Tattoo nie mehr. Über Scham und Bekennermut denkt unser Bischof in dieser Ausgabe nach.

Beim Bekennen geht es aber nicht nur um das „Das“, sondern auch um das „Was“. Jochen Roth erzählt uns, wie der Kleine Katechismus ihm heute beim Taufunterricht hilft. Der lateinische Titel für den Katechismus ist „Enchiridion“, da steckt das griechische Wort für Hand drin. Also ein Handbuch und ganz ursprünglich mal der minikleine Dolch, den man in der Hand verstecken konnte. Es ist nicht der kapitale Beidhänder des ganzen Konkordienbuches, sondern das kleine alltagstaugliche Messerchen, das jeder handhaben kann. Da hat man schon mal was in der Hand an möglichen Antworten.

Unter der Rubrik Gesellschaft können Sie eine Nachlese zur Bundestagswahl lesen, es war uns als Redaktion wichtig, das Thema auch ein wenig zur Sprache zu bringen. Wie immer bietet die LuKi einen bunten Strauß an Themen und Berichten, Sie dürfen gespannt sein.

Es grüßt Sie alle herzlich

Andrea Grünhagen