Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

immer wieder denken wir in unserer Kirchenzeitschrift auch über das Thema Schule nach. Kirche und Schule, das gehört seit den Klosterschulen des Mittelalters und Luthers Schrift „An die Ratsherren aller Städte des deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ zusammen. Allerdings sind die Zeiten, in denen man es mit christlichen Schulen zu tun hatte, gründlich vorbei. Den Preußen verdanken wir die Idee einer allgemeinen Schulpflicht, und gleichzeitig waren sie es, die den Pfarrern die Schulaufsicht entzogen. Die Nationalsozialisten erzwangen die „Gemeinschaftsschule“ und machten damit der „Bekenntnisschule“ den Garaus. In der DDR tobte sich das sozialistische Erziehungsideal an den Wehrlosesten aus. Auch heute melden sich Stimmen, die nicht an die Ideologiefreiheit des Schulsystems glauben und eine Bildungspflicht statt der Schulpflicht fordern. Andere halten von der Möglichkeit, ihre Kinder in einem frommen Goldfischglas aufwachsen zu lassen, gar nichts und können sich auch nicht vorstellen, warum Christsein und Schule irgendein Thema sein sollte.

Das hat sehr viel mit den eigenen Erfahrungen zu tun. Als Redaktion haben wir uns entschieden, unsere Erinnerungen einfach mal aufzuschreiben und nebeneinanderzustellen als Anregung zum Weiterdenken. Ich habe dabei gelernt, dass zwei Menschen das gleiche Wort benutzen, zum Beispiel Schule, und emotional völlig verschiedene Dinge meinen können. Da hilft nur immer wieder fragen und miteinander reden.

Auch zwei Leserbriefe erreichten uns, die das Thema „50 Jahre nach 1968“ und die Gründe dafür, speziell die vermisste Aufarbeitung der eigenen Geschichte, thematisieren. Ich freue mich, dass uns das Thema in diesem Jahr begleitet und wir uns darüber austauschen.

Es grüßt Sie alle herzlich
Ihre Andrea Grünhagen