Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

man das ganz leicht erkennen. Auf jedem Bereich ihres Lebens muss das Etikett „christlich“ oder „biblisch“ kleben. Sie hören nur christliche Musik, schauen nur Bibel TV im Fernsehen und machen nur Urlaub bei christlichen Freizeiten. Ihre Kinder tragen möglichst unbekannte biblische Namen, und sogar äußerlich kann man sie erkennen. Es gibt aber auch die anderen Christen: Sie bewahren die Schöpfung, weshalb sie kein Auto besitzen und nur vegane Bioprodukte essen. Sie sind für Frieden und mögen keine traditionellen Familienmodelle. Die Namen ihrer Kinder stammen meistens aus Astrid Lindgren-Büchern, und sie bevorzugen handgewebte Naturleinenbekleidung. Diese Sorte Christen ist der dritten Gruppe zutiefst unsympathisch, deshalb gilt es bei ihnen als besonders fromm, möglichst viel Fleisch zu essen und dem Klimawandel zu helfen durch Vermeidung öffentlicher Verkehrsmittel. Sie bezeugen ihre Verachtung der Gegenwart, indem ihre Kinder nach Vorbildern aus Geschichte und Literatur benannt werden, etwa Maximiliane-Auguste oder Ehrenfried-Egbert. Äußerlich wirken sie meistens, als wollten sie heute noch auf die Jagd oder aufs Oktoberfest. Von ihrer ethischen Tadellosigkeit sind alle drei Gruppen überzeugt, nur in unterschiedlicher Hinsicht.

Und wie sind wir? Da fällt mir ein Witz ein: Wird ein Mann gefragt: „Sind sie katholisch oder evangelisch?“ „Weder noch, ich bin normal.“ Wir sind vor allem normal. Moralisch halten wir es theoretisch mit den ganz Frommen, und praktisch sind wir normal. Theoretisch lehnen wir Bevormundung in jeglicher Hinsicht ab, nur praktisch finden wir es blöd, wenn jemand nicht normal ist. Gesellschaftlichpolitisch reden wir theoretisch von Verantwortung, und praktisch hilft uns die Unterscheidung von geistlich und weltlich. Theoretisch finden wir Bibel und Beten total wichtig, praktisch reicht der Besitz eines Andachtsbuches. Grund genug also, uns die Frage einmal zu stellen.

Zwei Bereiche der LuKi erscheinen ab dieser Ausgabe in neuem Gewand. Beim Wort zum Leben wollen wir in diesem Jahr einmal das Kirchenjahr in den Blick nehmen. Beim Rätseln wechseln wir das Format und bieten ein Kreuzworträtsel. Ganz neu ist 2018 das Angebot einer LuKi-Leserreise, das hoffentlich auf Ihr Interesse stößt. Ansonsten werden Sie, wie gewohnt, eine bunte Mischung von kirchlichen und gesellschaftlichen Themen finden. Ich hoffe, Sie bleiben uns auch 2018 treu, und würde mich freuen, wenn Sie die LuKi weiterempfehlen.

Mit den besten Wünschen zum neuen Jahr
Andrea Grünhagen