Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
diese Geschichte passt zu gut, um sie hier nicht zu erzählen: Eine Schulklasse besichtigte ein altes Haus in einem Freilichtmuseum. Ziel war, zu erfahren, wie die Leute dort früher gelebt haben. Also bestaunten die Kinder das Butterfass, den Webstuhl und wie auf offenem Feuer gekocht wurde. Aber dann hatten sie eine Frage. „Wo haben die Menschen früher denn ihre Handys aufgeladen, da sind ja gar keine Steckdosen?“
„Früher“, das war also so ungefähr, als die Dinos lebten, da gab es noch kein Internet und kein Smartphone – unvorstellbar für die besagten Grundschulkinder. Wenn man feststellt, dass man sich an diese Zeit persönlich erinnern kann, versteht man auch, warum junge Leute einen für einen Dino halten. Es ging ja auch irgendwie schnell alles. In einem Beitrag dieser Ausgabe zeichnet Michael Tschirsch nach, wie die Digitalisierung in unserer Kirche begann und Fahrt aufnahm. Mittlerweile ist Künstliche Intelligenz ein neues Thema, und es stellen sich neue Fragen. Exemplarisch denkt Tobias Schütze in einem Artikel über „KI und Predigt“ nach. Über die Chancen und Risiken digitaler Angebote habe ich versucht, in einem weiteren Artikel etwas zu sagen.
Diese Ausgabe kommt schon ein wenig monothematisch daher. Es hat sich auch etwas seltsam angefühlt, in einem analogen Medium so viel über digitale Inhalte zu schreiben. Da muss man beschreiben und erklären und stellt fest, wie viel mittlerweile über Bilder und Videos passiert. Alles, was man dazu sagt, wird sehr schnell total überholt sein. Es wird vielleicht die einen nicht interessieren und die anderen langweilen. Wenn ich es auf einen kurzen Begriff bringen sollte, was gerade passiert, dann wäre es „Individualisierung“. Das fängt ja schon damit an, dass das Nutzungsverhalten ganz unterschiedlich ist. Ich bin also gespannt, was Sie besonders interessiert.
Es grüßt Sie alle herzlich
Ihre Andrea Grünhagen